Heimatidylle

Ein Rundgang durch Eschweiler-Röhe

von Hans von Reth (eingestellt von Klaus Fehr, Leiter AK 2 – Stadtteilforschung Röhe)

(Klaus Fehr, Leiter des AK 2, weist darauf hin: »Ein Rundgang durch Eschweiler-Röhe« ist nicht identisch mit dem von Klaus Fehr eröffneten offiziellen Wanderweg.)

Rüh, dat es meng Heimat

Wer in Röhe geboren wurde oder dessen Ahnen hier wohnten, verspürt eine innige Verbundenheit zu diesem Dorf. Das kommt besonders in dem von Simon Stump verfassten Lied Rüh, dat es meng Heimat zum Ausdruck.

Refrain:

Rüh, dat es meng Heimat,
woo ich jeboere ben.
Rüh, dat es meng Heimat,
doo jehüe ich hen!
Ben ich en de Vremde,
lig mich Rüh em Senn:
Rüh, dat es meng Heimat,
doo jehüe ich hen!

Ich ben dörch de Welt jevloere,
han Langk jesen on Lüh,
doch sach ich üch onjeloere:
»Et jeet nüs öve Rüh!«
Doo jit et noch Mensche,
su janz vam alde Schlach;
doo wit noch Platt jesprauche,
of Sondach, of Wärkeldach.
On wer os Platt vrsteet,
dea sengk os Heimatleed: ...

Os Dörp steet net en dr Dude
on steet net em Lexikon.
He siste kee Meer, ken Alepe,
ken Burje op Felse stonn!
Em Somme, do räänt et,
em Wengkte fealt dr Schnej,
on sämpliche Touriste,
die vaare bej os vobej.
Doch hang ich aa mie Rüh,
on vroot mich mää net, wie! ...

En Rüh kenn ich jede Dörpel,
weeß överall Bescheed,
hee kenn ich de Lüh va Kengk op aan,
hön Jlöck on och hön Leed.
Döcks setz ich et Oovends
am Böisch stell op de Bank –
op jensi wie vüe Joere
dä Kirchturm kick öve-ret Lank.
Da seng ich leis dat Leed
on vööl, mie Hätz sengk met: ...

Das Lied wird oft bei Volks-, Vereins- und sogar Familienfesten mit großer Begeisterung gesungen. Aber auch Zugezogene in »Röhe auf der Höhe« finden sich hier schnell beheimatet.

Rundgang

Der Ort hat seinen Ursprung in uralter Zeit. Das soll aber an dieser Stelle nicht näher erörtert werden. Ich weise hierzu auf den Artikel in diesem Buch [Ann. d. Setzers: Heimatbuch Röhe, 2011] hin, wo Wissenswertes darüber berichtet wird (s. [dort] Art. 22). Solche Hinweise findet der Leser an betreffender Stelle bei diesem Rundgang durch Röhe, um das jeweilige Thema vertiefen zu können. In dem Exkurs wird von noch Sichtbarem und bereits Verschwundenem berichtet. Ich erlaube mir aber auch, eigene Erinnerungen hinzuzufügen.

Das Zentrum eines jeden Ortes ist sein Marktplatz. Hier beginnt der Rundgang. Unser Markt Rinkensplatz verdankt seinen Namen einem Röher Jungen, dem Musikpädagogen und Komponisten Wilhelm Rinkens (s. Art. …). Zum Rinkensplatz gehört seit 1972 der frühere zur Aachener Straße führende Kirchweg. Der wie eine Hofanlage aussehende Gebäudekomplex ist das so genannte Gemeindehaus. Dass es in frühester Zeit als Forsthaus einsam im Walde gelegen habe, kann nicht nachgewiesen werden. Es steht unter Denkmalschutz (s. Art. 46). Darin befand sich im 19. Jahrhundert bereits eine staatliche Schule. Schulgebäude befanden sich später an der Ecke Erfstraße/Nickelstraße (Jungenschule) und am früheren Kirchweg (Mädchenschule) (s. Art. 6). Das Kriegerdenkmal (s. Art. 2) wurde nach dem Weltkrieg 1914-1918 errichtet. Nach einer alten Zeichnung war ursprünglich der Bau der Kirche auf dem Rinkensplatz bzw. an der Ecke Aachener Straße/Nickelstraße geplant. Die erste Versorgung des Ortes mit Strom ging vom elektrisch Hüssje (elektrisches Häuschen) auf dem Rinkensplatz aus. Die Freileitungen zogen sich durch den ganzen Ort. An jedem Haus erfolgte der Anschluss über Isolatoren aus Porzellan. Die Drähte waren Rast- und Sammelplatz von vielen Schwalben – schön anzusehen.

Wir gehen die Erfstraße hoch. Der Name Erf ist auf Erbland zurückzuführen. Die Straßenbezeichnung war früher unterschiedlich. Der obere Teil westlich der Schulstraße hieß Auf dem Erf, der untere Teil Weg zum Erf. Letzterer wurde auch mit An der Tränkgasse bezeichnet, da sich dort eine Pferdetränke befand. Das stattliche Haus Erfstr. 1 war ein städtisches Haus und wurde von Lehrern und Rektoren der Röher Schule bewohnt. Eine der letzten Gaststätten in Röhe ist die Zum Hirsch, wo noch Geselligkeit und Vereinsleben gepflegt werden können (s. Art. 16). Die Schule wurde 1898 erbaut. Es war früher die Volksschule, in der die Kinder vom ersten bis zum achten oder neunten Schuljahr lernten. Sie war vor dem 2. Weltkrieg in zwei Hälften aufgeteilt, nach Jungen und Mädchen getrennt. Heute ist hier die Grundschule für die Klassen eins bis vier eingerichtet. Das Gebäude dient auch als Wahllokal. Für den Sportunterricht wurde 1961 die Turnhalle errichtet, die auch für diverse gesellige Veranstaltungen der Vereine genutzt werden kann (Mehrzweckhalle). Auf dem Schulhof sind noch alte schöne Lindenbäume zu sehen. An das Schulgebäude schließt sich das Feuerwehrdepot an, das sich früher neben der »alten Schule« am Kirchweg (Rinkensplatz) befand (s. Art. 21). – Mit Feuer zu spielen, ist gefährlich. Das wussten zwar die Jungen in früheren Jahren auch, aber der Schwenkelpott war ein beliebtes Spielzeug. Eine durchlöcherte Konservendose mit Draht als Henkel wurde mit Holzstückchen gefüllt, angezündet und dann rund geschwenkt. – An den Häusern Nr. 42 und 43 sieht man in einer Nische im Mauerwerk eine Madonnenfigur. Dies zeugt von der Frömmigkeit unserer Vorfahren. Nr. 43 war früher auch die Kaplanei, Wohnung der Kapläne der Pfarre St. Antonius.

Die Querstraße ist die Schulstraße, früher Kuhgasse genannt. Sie stößt rechts auf die Werdenstraße. Diese ist benannt nach einem verdienten Röher Bürger, Johann Werden. (s. Art. 39). Dieser errichtete 1898 auch das Kreuz in der Werdenstrasse, an dem bei Fronleichnamsprozessionen oft der Segen erteilt wird. Der Flurname nördlich der Werdenstraße heißt Am Kalkofen. Aus den Steinbrüchen wurden Kalksteine gefördert und gleich zu Kalk gebrannt (s. Art. 24). Die Kuhlen der Steinbrüche waren ein beliebtes Gebiet für Schwimmen und Schlittschuhlaufen. Der dort vorhandene Teich wird vom Zeppbach gespeist.

Im Verlauf der Erfstraße kommen wir zum leider nur noch wenig genutzten neuen Sportplatz. Er dient auch als Platz für das Martinsfeuer (s. Art. 30) und für das Festzelt des Mai-Clubs (s. Art. 27). Wir verlassen die Erfstraße links zum katholischen Friedhof. Er wurde 1806 angelegt. In der Mitte befindet sich ein Steinkreuz als Grabmal des langjährigen Röher Pfarrers und Dechanten Matthias Joseph Johnen. Auffallend sind die hohen alten Eschen auf dem Friedhof.

Über den Friedhof gelangen wir zur Aachener Straße, die frühere Landstraße. In westlicher Richtung links kommen wir an bereits stillgelegten alten landwirtschaftlichen Betrieben vorbei (s. Art. 28 a). Hinter dem letzten Haus vor dem Wasserwerk befindet sich das Scheeßkämpche (Schießkamp). Hier fanden Schießübungen und auch der Vogelschuss zur Ermittlung des Schützenkönigs statt. Das »Neue Wasserwerk« ist bereits seit 1985 außer Betrieb (s. Art. 18).

Vor der Autobahnbrücke nehmen wir die Straße links, kommen an einem bewirtschafteten Bauernhof (Pütz) und der Autobahnraststätte Aachener Land vorbei. Der elektrische Strom für die Raststätte wurde zwanzig Jahre lang durch eine Windkraftanlage erzeugt (s. Art. 3), die 2009 wieder entfernt wurde. Das Feld links hat den Flurnamen Lehmweg Zuschlag. Hier war vermutlich der Standort einer villa rustica, Wohnsitz eines altgedienten römischen Soldaten. Wir erreichen über die Bree Bahn (breite Bahn, alte Römerstraße, die von Stolberg-Atsch nach Kinzweiler führte) die Glücksburg (früher Waldrestaurant). In einem Bergwerk wurden hier Eisen- und Zinkerze (Galmei) abgebaut (s. Art. …). Zwischen den beiden Weihern, die beim Bau der Autobahn bzw. nach der Stilllegung des Bergwerks entstanden sind (Sandkuhle und Taarepool), wachsen heute noch Galmeiveilchen. Die Umgebung wird wegen ehemaligen Abbaus von Erzen Glücksburg genannt. Das anschließende Waldgebiet, das sich in früheren Zeiten über Röhe, Hehlrath, Kinzweiler und St. Jöris ausdehnte, ist der Propsteier Wald (s. Art. …). Leider ist das ehemals mit Camp Astrid bezeichnete Gebiet noch nicht zugänglich, ist aber in Kürze für die Naherholung vorgesehen. Bis dahin wandern weiterhin viele Röher Bürger durch den freien Teil des Waldes bis Steinbachshochwald.

Auf dem Feldweg vor Glücksburg rechts kommen wir unter der Autobahn hindurch zum Gut Klösterchen, einem Reitstall, der auch Kutschenfahrten zu verschiedenen Anlässen anbietet (s. Art. 33). In der Nähe befindet sich die Quelle des Merzbaches, der die natürliche Grenze zwischen Eschweiler und Würselen darstellt. Diesem Bach folgend kommen wir nach Merzbrück. Der Gutshof Merzbrück ist denkmalgeschützt. Während des 2. Weltkrieges und danach war der Kartoffelkäfer eine Plage. Schulkinder konnten z. B. auf Merzbrück durch Absammeln dieser Käfer von den Kartoffelpflanzen dabei helfen, der Plage Herr zu werden.

Unser Weg führt uns entlang der Aachener Straße (B264). Links und rechts der Straße wurden viele römische Ziegelreste gefunden. Vermutlich hat auch hier eine villa rustica gestanden. Das Feld zwischen der Aachener Straße und der Autobahnraststätte heißt Großer Zuschlag, eine große Rodungsfläche seit dem 19. Jahrhundert. Vor der Autobahnbrücke biegen wir links ab nach Sterzbusch. Wir sehen links einen noch jüngeren landwirtschaftlichen Betrieb (Braunleder). Die Flur wurde im Volksmund Amerika genannt, weil die Entfernung von Röhe in den Augen der Bauern sehr weit war. Da die Wohnhäuser weit von der Ortsmitte entfernt liegen, wurde Sterzbusch (Ende des Waldes) erst nach dem 2. Weltkrieg mit Elektrizität und Wasser versorgt, bis dahin brannten dort in den Wohnungen noch Petroleumlampen. Wasser wurde aus dem Pütz gepumpt. Hier entspringt auch der Zeppbach. An den Häusern vorbei biegen wir rechts ab zur Buschfuhr, auch hier vorbei an einem landwirtschaftlichen Betrieb neuerer Zeit (Bünten). Buschfuhr bedeutet, dass hier die Feldgrenze zum alten Propsteier Wald verlief, das heißt, der Weg in den Wald führte. Ein Stück der Römerstraße ist hier erkennbar und auch archäologisch nachgewiesen. Der rechts liegende Kirchpütz ist eine interessante Flur mit Siedlungsfunden aus römischer und vorrömischer Zeit. In dem nördlich der Buschfuhr gelegenen Gebiet befindet sich die Steinkuhl, bis dahin reichte noch bis Anfang des 19. Jahrhunderts der Propsteier Wald. Restliche Baumbestände finden sich hier mit der Bezeichnung Pannes Heedche (etwa: »Strafheide«). Die Schüler der Volksschule Röhe durften dort für den Lehrer noch die »Erziehungsstöcke« besorgen. Mit ca. 200 Meter über NN ist hier der höchste Punkt des Ortes. Östlich davon verläuft die Mulde, eine talartige Feldflur mit dem Lollgraben, der bis zur heutigen Wardener Straße führt. Hier ist auch die Gegend der sagenumwobenen Frau Lieschen Vrolissje, vor der die Kinder in früherer Zeit gewarnt wurden.

Der gut asphaltierte Weg führt in die Nickelstraße, die früher bis zur Goerdtstraße Bachstraße genannt wurde. Wir kommen vorbei an der Feldflur Buschfeld, am Rande des alten Propsteier Waldes gelegen. Rechts befindet sich der evangelische Friedhof, der bereits Anfang des 17. Jahrhunderts bestanden hat. Das älteste Grab ist die Ruhestätte der Familie von Recklinghausen (s. Art. …). Das Klostergebäude ist das Helene-Nickel-Stift (s. Art. 11). Es war Wohnsitz von Ordensschwestern u. a. mit ambulanter Krankenpflege, Kindergarten, Nähschule und nach dem 2. Weltkriege zeitweise Notkirche. Heute befinden sich Privatwohnungen in dem Gebäude.

In der Goerdtstraße sehen wir mehrere landwirtschaftliche Hofanlagen, von denen allerdings nur noch eine bewirtschaftet wird (s. Art. 28). Hiervon ist der alte Büntensche Hof, ehemals freiadeliges Gut von Kaldenbach, als Siedlungskern anzusehen (s. Art. 22). Das Haus Nr. 17 steht unter Denkmalschutz (s. ). Der nördliche Teil der Goerdtstraße wurde durch den Braunkohlenabbau abgeschnitten. Davor stieß sie auf den Hehlrather Weg, der von Eschweiler direkt nach Hehlrath führte. An diesem Weg stand das Hehlrather Kreuz, das von den Hehlrathern aber als Röher Kreuz bezeichnet wurde. Wegen der nicht klaren Zuständigkeit blieb das Kreuz in der französischen Zeit glücklicherweise erhalten (s. Art. 5). Heute befindet es sich an der verlängerten Franz-Liszt-Straße; das Flurstück dort wird mit Am Hehlrather Kreuz bezeichnet. Als es in Röhe noch keine Kirche gab, gingen viele Röher Leute zum Gottesdienst in die Hehlrather Kirche. Die Flurbezeichnung Am Kirchenpfädchen hat daher ihren Namen. Die Goerdtstraße wird gekreuzt von der Wardener Straße, anfangs »Neue Straße« genannt, die durch den Braunkohlenabbau erforderlich geworden war. Dabei war auch die Verlegung der Straßenbahnschienen erforderlich. Die Haltestelle nach Alsdorf bzw. Eschweiler lag an vorgenannter Kreuzung.

Rechts am Klömm eropp (Anstieg), so nannte man die Stelle, kommen wir zur Straße Am Römerberg, die vorher Römerstraße (ein Teilstück der Römerstraße, die von Weisweiler nach Vorweiden verlief), und ursprünglich Sträßchen hieß. Linker Hand sehen wir einen bewirtschafteten Bauernhof (Krüger). Etwas weiter rechts steht ein Wegekreuz, ein Viernagelkeuz, bei dem die Füße nicht übereinander sondern nebeneinander genagelt sind. Bis zu diesem Kreuz zog in früheren Jahren die Fronleichnamsprozession (s. Art. 9). Am Ende der Straße rechts befindet sich die Raiffeisen-Waren-Zentrale, erkennbar an ihren hohen Silos, eine Einkaufsquelle für die Landwirtschaft und für Hobbygärtner. Hinter der Brücke über die Rue de Wattrelos gehen wir rechts hinunter zur Wardener Straße, biegen wieder rechts ab über eine zweite Brücke bis zu der P+R-Stelle. Dort finden wir links einen Feldweg, der zum Schubbendenweg führt. Am Anfang dieses Neubaugebietes sehen wir – etwas unüblich für diese Gegend – ein schönes Holzhaus als Familienhaus. Früher war die östliche Verlängerung des Schubbendenweges der Leichenweg. Er führte durch die Feldlage Leferchen zu einer Kapelle an der Hehlrather Straße, wo die Leichen von der Geistlichkeit zur Beerdigung abgeholt wurden. Die nördlich gelegene Flurbezeichnung Giersmaar bezeichnet eine Wasseransammlung, die durch Gräben und Dränagen trocken gelegt wurde.

Aus dem Schubbendenweg kommen wir über die Goerdtstraße links gleich wieder zur Nickelstraße. Hier wird uns klar, warum dieser Straßenteil ob de Baach (früher Bachstraße) hieß. Im Zusammenhang mit der Sanierung der Straßen in Röhe zum verkehrsberuhigten Bereich wurde der Zeppbach, der hier unterirdisch fließt, offen gelegt und aus Sicherheitsgründen mit Gitterstäben eingezäunt. Leider fließt das Wasser nur sehr spärlich, und die erhoffte Verschönerung des Straßenbildes ist nicht ganz erreicht.

Der links abbiegende Teil der Nickelstraße hieß früher Hauptstraße, ursprünglich Dorfstraße. Wir unterqueren zunächst die Autobahn, an der Bauweise vieler Gebäude stellen wir fest, dass diese Straße in früherer Zeit eine Vielzahl von Geschäften und Bauernhöfen beherbergte (s. Art. 16 und 28a). Diese existieren heute alle nicht mehr. In Nickelstraße 44 hatte die Spar- und Darlehnskasse (Raiffeisenbank) ihren Sitz mit Lagerhalle und kurzzeitig auch Tankstelle. In den 1950er Jahren bestand für die Röher Bürger, die noch kein Bad besaßen, sogar die Möglichkeit, hier zu baden oder zu duschen. Das Haus Nr. 32 steht unter Denkmalschutz (s. ). Neben Landwirtschaft und Gaststätte war hier anfangs des 20. Jahrhunderts eine Postagentur. Die Eisenringe zum Anbinden der Pferde sind noch an der Hauswand zu sehen. Eine weitere Röher Gastwirtschaft ist das Haus Nickel. Gegenüber war lange Zeit der Konsum. Konsumgenossenschaften wurden zur Zeit der Industriealisierung gegründet. Die Ecke am Ende der Straße links hieß im Volksmund dr söße Eck. Rechts gegenüber befand sich die Dorfschmiede, wo man noch nach dem Kriege das Beschlagen von Pferden beobachten konnte.

Wir kommen auf die Aachener Straße. Das Hotel Zum Schwan hat seinen Namen von einem Besitzer im 18. Jahrhundert mit Namen Schwahn. Links neben dem Haus befand sich lange Zeit ein Saalanbau, der für alle größeren Tanz-, Konzert- und Theaterveranstaltungen genutzt wurde. An der Ecke gegenüber liegt links eine stattliche Hofanlage. Sie ist als Baudenkmal ausgewiesen (s.). In einem Torbogen befindet sich ein gut erhaltener Schlussstein mit der Jahreszahl 1779, den Anfangsbuchstaben der Erbauer und einem Christusmonogramm. Vor der Fassade steht ein altes Wegekreuz. Ein längerer Scheunenbau mit vermauerten Fenster- und Türnischen, evtl. für einen späteren Ausbau als Wohnhaus vorgesehen, schließt sich an. Auch hier sind zwei gleiche Torbögen, die die Jahreszahl der Erbauung (1866) und die Anfangsbuchstaben der Erbauer enthalten. Weiter aufwärts kommen wir an dem Neubau der Raiffeisenbank (s. Art. 25) vorbei. Der Kirchturm ist wieder von weit her zu sehen; das war anders nach dem Krieg und nach dem Kirchenbrand 1977. Vor der Kirche links ist der Eingang zum Kindergarten (s. Art. …), rechts das Jugendheim. Das Missionskreuz vor der Kirche ist denkmalgeschützt. Die Kirchengeschichte ist in diesem Buch an verschiedenen Stellen ausführlich beschrieben (s. Art. 4, 5, 47).

Vorbei an der Kirche gehen wir links zum Ellerberg. Linker Hand auf halber Höhe lag der alte Sportplatz. An der Stelle, wie auch weiter südlich der Aachener Straße, waren früher Steinbrüche. Die Steine wurden zum Haus- und Kirchenbau verwendet (s. Art. 24). Mittlerweile ist hier ein neues Wohngebiet entstanden. Die Straße dort wurde nach dem Röher Rektor und Schulrat Matthias Stiel benannt. Weiter unten am Finkelsbach liegt die sog. Kuckhoffs-Mühle, von der man allerdings nicht nachweisen kann, ob hier jemals ein Mühlrad gestanden hat. Vor uns liegt nun der Ellerberg, vor dem uns den Finkelsbach entlang ein Weg zur Röher Hütte führt. Der Name des Berges ist auf einen Baumbestand von Erlen zurückzuführen; ganz oben ist ein landwirtschaftlicher Betrieb (Hilgers). Der Hütter Wald ist ein Teil des Propsteier Waldes. Die Wege sind seit der militärischen Benutzung des angrenzenden Waldbereichs fast zugewachsen. Früher konnte man hier als Kind die Zeit mit abenteuerlichen Spielen verbringen. Die Wasserkraft des Finkelsbachs diente zum Antrieb eines Kupferhammers, später der Dautzenbergsmühle (s. Art. 3).

Wir stoßen auf die Röher Straße, die frühere Auestraße. Im Volksmund heißt sie auch die Fahrt. Zu der Zeit, als es noch wenig Verkehr auf den Straßen gab, war die Röher Straße eine beliebte Rodelbahn. Da konnte man schon ordentlich »in Fahrt« kommen. Der untere Bereich der Röher Straße wird auch Vuule Herrek (Fauler Hering) genannt. In der Nähe der Röher Hütte gab es ein kleines Kohlwerk, genannt Hehring. Möglicherweise ist die Bezeichnung dieser Gegend darauf zurückzuführen, und faul war der Hering wohl, als er nicht mehr viel Ertrag brachte. In der Fachsprache gibt es den Ausdruck faulklüftige Kohlgänge. Eine andere Auslegung bezieht sich auf die damals stinkenden Sümpfe im Indetal. Von der Hütte aus gehen wir rechts und kommen an der Parkklinik vorbei, eine Tagesklinik für Psychosomatik und Psychotherapie. Gegenüber befand sich eine Straßenbahnhaltestelle. Die Straßenbahnlinie verlief früher links am Hang der Aachener Straße, am Sömpche (Sumpfgebiet) entlang nach Eschweiler. Die Röher Villa gehört heute zur Parkklinik, ehemals Wohnsitz der Direktoren der EBV-Hüttenbetriebe. Wir kommen zum Bahnübergang der Euregio-Bahn, gegründet als Bergisch-Märkische Bahn, genannt Talbahn. Im weiteren Verlauf der Röher Straße bis zu den Drei Bogen (ein Viadukt der Eisenbahnlinie Köln – Aachen) sehen wir die Fabrikgebäude des Werkes Aue, ehemals Walzwerk und Nagelfabrik. Man erinnert sich an die Zeit, als noch mittags in aller Eile den dort Arbeitenden von Frau oder Kindern der Mit (nach dem französischen marmit = Kochgeschirr) gebracht wurde. Die Gebäude dienen heute anderen gewerblichen Zwecken. Hinter den Fabrikgebäuden im Wald befand sich das Forsthaus der Propstei. Röher Aue ist die ursprüngliche Bezeichnung für die grüne Flusslandschaft zwischen Inde und dem Propsteier Wald (s. Art.).

Wir überqueren die Inde. Ihr Name bedeutet »eilender Fluss«. An große Überschwemmungen erinnert man sich vor allem im Bereich des Kupfermühlenkamps. In dieser Flussaue befanden sich zwei Kupfermühlen (s. Art 3). Rechts von der Odilienstraße – an der Straße Im Hasselt (der Name bedeutet »Haselbusch«, hier war ein alter Gewerbestandort mit Hammer- und Walzwerk) vorbei – liegt der Hohe Stein, von dem man einen wunderschönen Blick auf Röhe und Eschweiler hat. Ichenberg ist die Flurbezeichnung und steht für »Eichenberg«. Um 1580 befand sich hier eine Steinkohlengrube. Oben auf dem Berg befindet sich der Napoleonstein. Es wird allerdings angezweifelt, dass Napoleon jemals hier war. Der Hohe Stein ist Teil des Ichenbergs. Hier soll das römische Lager Atuatuca gelegen haben. Umfangreiche Ausgrabungen haben jedoch den Beweis hierfür nicht erbringen können. Wir sehen vor uns in luftiger Höhe die Rue de Wattrelos. Ihr südlicher Teil überbrückt von der Aachener Straße aus die Inde und die Talbahnlinie und führt hinunter zur Odilienstraße. Geradeaus östlich vom Hohen Stein ist eine Direktverbindung nach Stolberg geplant. Wir überqueren die Bahngeleise. Rechts befand sich die Ichenberger Mühle, eine frühere Kupfer- und Mahlmühle (s. Art. 3). Wir befinden uns auf der Stoltenhoffstraße, früher Mühlenweg genannt. Der Mühlenweg führte zur Ichenberger Mühle und auch zur Stoltenhoffmühle, die spätere Leuchters Mühle. Hinter den Häusern der linken Straßenseite lag der 1927 vom TFB erbaute erste Sportplatz in Röhe. (s. Art. 32).

Gegenüber der Stoltenhoffstraße fallen uns auf der Aachener Straße an einer Toreinfahrt römische Ziegel auf. Sie wurden dort bei Grabungen im Garten gefunden. In der Nähe wurde beim Bau der Rue de Wattrelos ein großer römischer Gutshof entdeckt (s. Art. 34). Wir wandern links die Aachener Straße hoch. Sie war früher wegen ihres langen steilen Anstiegs der Schrecken der Fuhrleute. Deshalb hat man sie bis in Höhe des Friedhofs egalisiert. Rechts liegt das Gebäude des alten Wasserwerks (s. Art. 18). Dahinter erstreckt sich der Latzedahl, ein abschüssiges Gelände, das sich im Winter gut zum Rodeln eignete. Gegenüber dem Hotel Zum Schwan gehen wir noch ein Stück die Nickelstraße entlang und kommen zurück an die Treppe zum Rinkensplatz. Der Vorgänger der Treppe war weitaus breiter. Hier wurden bei Schützenfesten die Paraden abgehalten. Unter Schatten spendenden alten Kastanienbäumen war ein Spielplatz für viele Kinder. Die einzigen hohen Bäume sind heute hier der Maibaum im Frühjahr und der Weihnachtsbaum im Winter.

Der Röher Rundgang hat Ihnen gefallen? Und die Klammervermerke wie »s. Art. 18« haben Sie neugierig gemacht? Dann hatten wir Ihre volle Aufmerksamkeit. Diese Artikel finden Sie in unserem im Jahre 2011 erschienenem Buch Eschweiler-Röhe. Das Inhaltsverzeichnis hat Klaus Fehr für Sie veröffentlicht. Kontakt zu den Autoren finden Sie über unseren Arbeitskreis 2 – Stadtteilforschung Röhe, Leitung Klaus Fehr.

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