Ortsgeschichte

Der Kaldenbachshof in Röhe

von Heinrich-Josef Esser (eingestellt von Klaus Fehr, Leiter AK 2 – Stadtteilforschung Röhe)

Der Geschichtsforscher Walter Kaemmerer glaubt die Entstehung des Ortes Röhe, mundartlich auch »Roedt« genannt, im nachkarolingischen Mittelalter um das 10. Jahrhundert zu datieren. Die erste urkundliche Erwähnung Röhes stammt aus dem Jahr 1346. Darin wurde festgehalten, dass die Röher Bauern weidgangberechtigt am Propsteier Wald waren, dass heißt, sie durften ihr Vieh im Wald weiden und mästen. Es ist anzunehmen, dass die erste Besiedlung aus dieser Zeit im Bereich der heutigen Goerdtstraße stattfand. Die Gründe dafür waren: die Nähe zur alten Römerstraße Dürwiß – Weiden, geschützte Hanglage, guter Baugrund, gesicherte ergiebige Brunnen, umgeben von fruchtbarem Boden, Waldnähe und Steinbruchvorkommen. Die Römerstraße verlief nördlich des weiten Indetales und nicht durch die sumpfige Indeaue. Und somit umging sie auch den steilen Röher Berg – die heutige Aachener Straße. Die alte Römerstraße kam von Sterzbusch, über die Flur »Buschfeld« (westlich hinter der Goerdtstraße) und verlief weiter über die heute »Am Römerberg« genannte Straße. Am Ende des Römerberges, bis 1972 »Römerstraße« und im 19. Jh. »Sträßchen« genannt, kreuzte die Straße den Weg Eschweiler – Hehlrath.[1] Über diesen Weg brachten die Röher Bürger ihre Verstorbenen zum Friedhof nach Eschweiler. Die Flurbezeichnung Leverchen steht für Leichenweg Nach Simons Urkundenbuch zur rheinischen Kirchengeschichte waren 1588 in Röhe schon Protestanten ansässig, der evangelische Friedhof an der Nickelstraße muss schon 1600 bestanden haben.[2]

Bereits Anfang des 16. Jahrhunderts wird der sogenannte Kaldenbachshof in Röhe, an der Goerdtstraße gelegen, genannt. Gerhard von Kaldenbach, ein Sohn Adam von Kaldenbachs, verwandelte 1518 auf St. Mauritus–Tag [22. September] bei der Teilung des elterlichen Vermögens eine Erbrente von zehn Kapaunen, die an einer dem Kloster St. Jöris gehörenden Wiese haftete, »Gritzenkamp« oder »Geetze Kamp« genannt, in eine an den Kaldenbachshof zahlbare Weinrente Gerhard von Kaldenbach hat für seine Geschwister, die kein Siegel hatten, gesiegelt.[2] Im Jahre 1518 verzichtet Gerhard von Kaldenbach, Röhe, zugunsten des Klosters St. Jöris auf eine Erbrente von 10 Kapaunen (Masthähnchen), die ihm das Kloster von einer Wiese, genannt »der Geetze Kamp gelegen bover Kalckoeffen« schuldete. Er tat dies, weil seine Schwester Katharina ins Kloster St. Jöris (St. Georgybusch) eingetreten war. Die abgelöste Rente soll als Kindsteil der Schwester gelten, d.h. sie hat keinen weiteren Anspruch mehr auf elterliches Erbteil. Die Übertragung des »bends«, der nun unbelastet dem Konvent gehörte, erfolgte vor dem Hofgericht von Kaldenbach zu Röhe. Die Schwestern hatten zu dem Rechtsakt eine Flasche Wein mitzubringen, ihnen oblag die Gastung der Zeugen und Gerichtspersonen Beim Abschluss eines Kaufvertrages über ein Grundstück musste der Käufer üblicher Weise noch einen Betrag für Weinkauf und den Gottesheller für die Armen geben. Als Zeugen werden genannt: Emont van Roetgen als »stathelder« und Emont van Reuschenberger als »man der daempropsteyen« (Lehnsmann) des Probsteier Waldes. 1630 verpachtete das Kloster den Klosterhof an die Halfleute Mattheivessen und Drutgen Mundt Eheleute, wobei diese auch die Wiese »geetzen Kamp zu Roedt« und ein Bend zwischen Roedt und Helradt gelegen, mit verpachtet wurde.

Exkurs: Pachtzahlung in der vorgenannten Verpachtung
Der Pächter behält die Hälfte des Ackerertrages, weiterhin muss er Saatgut für das vom Kloster selbst bewirtschaftete Land liefern. Jährlich hat der Pächter 36 Kohlen- und Holzfuhren zu erbringen. Nachdem das Kloster den Hof instand gesetzt hatte, musste der Pächter ihn »in Nothbau halten«, bei notwendigen Reparaturen gibt da Kloster den Arbeitslohn, der Pächter die Kost für die Handwerker. Der Pächter verpflichtet sich zur jährlichen Kalkung von 9 Morgen. »Zum druggen winkauff« hat der Pächter 12 Rheinische Taler zu zahlen und jährlich zum neuen Jahr einen Hut Zucker von 3 Pfund, ein Pfund Pfeffer und »und den Juffern ein viertel weinß« zu geben.[3]

Gemäß der Jülichschen Lehnsregistratur war das Kaldenbach-Gut gegen Ende des 16. Jh. noch im Besitz eines Gerhard von Kaldenbach. Der Straßenname »Goerdtstraße« stammt wohl von dem Namen Gerhard oder Gotthard, der früher mundartlich »Goerdt« ausgesprochen wurde. Die Straße teilte die Hofanlage in einen östlichen Flügel, wo heute sich die Häuser Nummer 12, 14, 16 und 18 befinden. Das Haus Nr. 16 wurde 1944 zerbombt und nicht wieder aufgebaut. Es war ein Wohnhaus mit einer überbauten Tordurchfahrt. Der westlich an der Goerdtstraße gelegen Hof mit der Hausnummer 17, wurde »Grashof« genannt. Am 15.Juni 1609 ging das Gut über in die Hände der Eheleute Gerhard Behmer und Anna Schmieds, als die nächsten Erben des Gerhard von Kaldenbach. 1651 baten Johann Herten, Peter Teves und Maria Herstaedt und deren Vormünder Herzog Wilhelm von Jülich um die Erlaubnis, das Gut an den Bergvogt Reinhardt von Recklinghausen zu verkaufen. Die Erlaubnis wurde am 2. September 1651 gegeben mit Rücksicht auf die Minderjährigkeit der Lehnerben, sowie die treuen Dienste des Bergvogtes, sowie für den Schaden, den dieser darin erlitten hatte. Reinhardt von Recklinghausen sollte es als stetes Allodialgut (?) besitzen. Auch darf er ohne Bewilligung vor und nach davon abgesplissene Stücke wieder an sich bringen. Hiervon machte er zur Konsolidierung seines Gutes Gebrauch: Auf seine Bitten hin werden am 16. Juni 1655 die Beamten angewiesen, die Splißinhaber (?) zu vernehmen, mit wessen Bewilligung sie die Stücke an sich gebracht haben.[2]

Auffallend ist, das die Ankersplinte in den Wohnhäusern Nummer 14 und 17 die Baujahre mit 1679 und 1657 benennen. Zu dieser Zeit gehörte die Gutsanlage Johann Bernhard von Recklinghausen, genannt »Herr zu Röhe« einem holländischen Admiral Dieser stand auf der Seite der mit den Franzosen auf gespanntem Fuß stehenden Holländer. Am 14. Oktober 1678 rückte eine Abteilung unter General Luxembourg in das Herzogtum Jülich ein und steckte 18 Dörfer, darunter auch Eschweiler, in Brand. Dabei ist dann auch der von Recklinghausensche Hof zerstört worden. Im Jahr darauf wurde der Hof wieder vollständig aufgebaut, wobei neben Bruchsteinen aus den Röher Steinbrüchen auch viele Feldbrandziegelsteine verwendet wurden. Johann Bernhard blieb unverheiratet. Sein älterer Bruder hieß Hugo von Recklinghausen, ein weiterer Bruder Gottfried, gestorben 1704 und auf dem evangelischen Friedhof in Röhe begraben. Zu dieser Zeit war das Gut mit 28 Morgen, 3 Viertel und 2 Pinten Land ausgestattet, etwa 7 Hektar.[4]

Literatur:
[1] Hauptkarte der Bürgermeisterei Eschweiler 1820 – Rheinischer Städteatlas
[2] »Bote an der Inde« Nr. 187 vom 14.8.1943, P.B. (Aus Neuhöfers »Beiträge zur Geschichte von Eschweiler und Umgebung«)
[3] »Das Zisterzienserinnenkloster St. Jöris« von H. Candels
[4] »Bote an der Inde« vom 28.10.1912, Vortrag von Bernhard Willms

Die Familie von Recklinghausen

In der Genealogie (Geschlechterkunde) heißt es, dass der Bergvogt Reinhard von Recklinghausen (1606-1670) sieben Söhne und zwei Töchter hatte. Sein siebtes Kind war Johann von Recklinghausen, genannt Herr zu Röhe, holländischer Admiral, geboren zu Eschweiler 1647 und gestorben 1697. Er blieb unverheiratet.[1] Was die Herkunft der Familie von Recklinghausen betrifft, wird angenommen, dass sie aus dem Bergischen (Land ) stammt. Verschiedene Mitglieder dieser Familie nannten sich Jülich-Bergische Bergvögte. Sollte diese Annahme richtig sein, so werden die ersten männlichen Mitglieder wohl nicht vor 1511 nach hier gekommen sein, denn in diesem Jahr gelangte Herzog Johann III., geb. 1490, durch seine Heirat mit der Erbtochter Maria von Jülich in den Besitz der Herzogtümer Jülich und Berg und nach dem Tod seines Vaters, Herzog Johann II von Cleve-Mark in den Besitz der vereinigten Länder Jülich, Cleve, Berg, Mark, Ravensberg usw. In seiner Regierungszeit fallen auch die ersten Anfänge der kirchlichen Bewegung des 16. Jahrhunderts, welche so manchen Adligen bewog, sich der neuen Lehre anzuschließen. 1602 war Reinhard von Recklinghausen Jülich-Bergischer Bergvogt zu Eschweiler. Als solcher übte er das Aufsichtsrecht über den Eschweiler Kohlberg aus, führte beim Berggericht den Vorsitz und vertrat den Landesherren vor Ort.[2] Von 1641 bis 1664 finden wir wieder einen Reinhard von Recklinghausen (Junior?) als Bergvogt. Er wurde 1665 abgesetzt. Er erhielt das Allodialgut für seine treuen Dienste als Bergvogt und den Schaden, den dieser erlitten hatte. Ab 1673 war wieder ein Matheis Gerhard von Recklinghausen Bergvogt, er war der zweite Sohn von Hugo von Recklinghausen. Hugo von Recklinghausen war der Bruder von Johann, dem holländischen Admiral.
1752 geben Abschriften aus notarielle Akten Auskunft über Grundstücksbesitzungen der Wittib Reiner von Recklinghausen: Einen Morgen Bendt in den Schubbendten, gelegen einerseits neben Junker Bocks Bendt, andererseits Johannes Zimmermann. Diese Wiese wurde später als Garten genutzt und gehörte lange Zeit zum Hof Goerdtstraße 17. Die Witwe des 1727 verstorbenen Reiner von Recklinghausen schenkte im Jahre 1758 der reformierten Gemeinde in Eschweiler zwei wertvolle silberne Kirchengefäße, eine Taufkanne und ein Taufbecken. Beide Gefäße tragen das Wappen der Familie von Recklinghausen in prachtvoller Ausführung. Die Inschrift lautet: »Johanna Maria Wittib von Reiner von Recklinghausen, Sohn von Hugo von Recklinghausen 1758«.
Auf Reiner von Recklinghausen folgte Hugo, vermählt mit Katharina Judith Peuschen. Deren Sohn Heinrich von Recklinghausen starb 57 jährig 1817. Dessen Sohn Gustav, Offizier in der niederrheinischen Landwehr, verkaufte am 29. Januar 1819 sein auf der Dürener Straße mit der Nummer 335 bezeichnetes Haus an den Herren Jakob Kieselstein. Dieses Haus war laut Adressbuch von 1882 im Besitz des Bierbrauers und Landwirtes Karl Lersch, es hatte dann die Hausadresse Dürener Straße 72.
So war dann mit dem Tage des 29. Januar 1819 die 245 Jahre lang in Eschweiler ansässig gewesene, reich begüterte wie wohltätige Familie von Recklinghausen im Mannesstamm erloschen. Auf dem evangelischen. Friedhof in Röhe befindet sich eine mächtige Steinplatte (2,12 m lang , 1,08 m breit und 30 cm hoch) mit dem Wappen der Familie von Recklinghausen. Die untere Hälfte enthält eine Tafel mit einer achtreihigen Inschrift, die zum größten Teil unlesbar geworden ist. Im oberen Teil ist ein in vier Feldern eingeteiltes Wappen sichtbar: Das erste und vierte Feld enthält je einen springenden Fisch umgeben von drei Sternen, das zweite und dritte Feld hat je ein Zackenkreuz. Unten rechts vom Wappen steht oberhalb der Tafel zwischen zwei ausgespannten Flügeln eine Sand- oder Totenuhr. Unten links befindet sich ebenfalls zwischen zwei Flügeln ein Totenkopf. Über dem Wappen ist ein Ritterhelm sichtbar, mit offenem Visier zwischen ausgespannten Flügeln und über dem Helm ein nach rechts springender Fisch. Rechts und links vom Wappen sind zwei große Ornamente angebracht, die je einen Engel tragen., In der Rechten, bzw. linken Hand tragen die Engel eine brennende Fackel, während sie mit der anderen Hand ein länglich rundes Schild über dem Ritterhelm schwebend tragen. Auf dem Schild steht in lateinischen Buchstaben folgender Spruch: » Selig sind die Toten die in dem Herren sterben von nun an Dan ruhen vor ihrer Arbeit«.[3]

Über Töchter vererbte sich der Röher Besitz der Herren von Recklinghausen an die Familie Nicolai/Lersch. Der Förster Nicolai bewohnte die Försterei, an der Ecke Aachener Straße/Röherstraße erbaut wurde. Der Torkeilstein gibt als Baujahr 1779 an. Nach 1851 kauft die Familie Emundts das Anwesen und baut 1866 (laut Torkeilsteine) die Hofanlage weiter aus.
Sophia Helena Lersch geborene Nicolai (1799 – 1878), verheiratet mit Peter Lersch, besaß als Tochter des Försters Nicolai um 1850 das Förstereianwesen und die Hofanlagen in der Goerdtstraße. Peter Lersch (1785 – 1851) war der Sohn von Matthias Gottfried Lersch und Anna Katharina Schnaphan. Die Erben Schnaphan aus Röhe waren Inhaber eines Begräbnisplatzes in der Eschweiler Pfarrkirche Peter und Paul, im Mittelgang mit der Grabnummer 40. Die Witwe Georg Lersch war im Grab 24, gelegen im Seitengang an der Pastoratseite, bestattet.[1]
Um 1851 teilte Sophia Helena Lersch den Besitz auf ihre Söhne auf: Gerhard Lersch erhielt den Hof Goerdtstraße 14. 1871 verkaufte er sein Erbe an Winand Bünten, Ackerer. Die Familie Bünten bewirtschaftete den Hof bis 1975, sie baute danach den Buschfuhrer Hof. Seitdem ist die Hofanlage Privatbesitz.
Heinrich Josef Lersch (1822 – 1904) erhielt den Hof Goerdtstraße 17. Dessen Tochter Gertrud (1847 - 1930) war verheiratet mit Johann Ehser aus Kinzweiler. Ihre Kinder waren die Geschwister Sybilla, unverheiratet, Christine, verheiratete Müllejans, Heinrich und Karoline, verheiratete Schümmer. Heinrich Ehser (1882 – 1967) verheiratet mit Maria Jordans (Aachener Straße) bewirtschaftete den Hof bis zu seinem Tode.
Danach leitete seine Tochter Gertrud (1925 – 2003), verheiratet mit Heinrich Esser (aus Lohn) den Hof. Deren Sohn Heinrich-Josef bewirtschaftete ihn bis 2008 als Gemischtbetrieb (Ackerbau und Milchviehhaltung).[4]

Literatur:

[1] »Die Geschichte der evangelischen Friedhöfe« von Peter Beyer, in: Eschweiler und seiner Umgebung in alter Zeit, 1927, Verlag C. Herzog. Seite 206 ff.
[2] »Steinkohlenbergbau um Aachen«, in: Heimatblätter des Kreises Aachen. 1997.
[3] »Die Familie von Recklinghausen in Eschweiler«, in: Eschweiler und seine Umgebung in alter Zeit, Verlag C. Herzog, 1927. Seite 66 ff.
[4] Stammbaum der Familie Lersch

Das Baudenkmal Goerdtstraße 17 als Teil des früheren Kaldenbachhofes

Auf Grund eines Bauantrages zur Sanierung des Kuhstallbereiches wurde 2003 die Untere Denkmalbehörde auf die Hofanlage aufmerksam. Am 17. März 2004 wurde der Hof in die Denkmalliste der Stadt Eschweiler unter der Nummer 184 eingetragen. Die Stadt Eschweiler folgte damit einem Antrag des Landschaftsverbandes Rheinland, Rheinisches Amt für Denkmalpflege. Das Objekt gehört zu den alten Hofanlagen des historischen Ortes Röhe, dessen Existenz sich mindestens bis in das 14. Jahrhundert zurückverfolgen lässt. Auf der Tranchotkarte von 1805/07 ist die Hofanlage als vierflügelige Anlage dargestellt und von Gärten umgeben. Sie war zu dieser Zeit die einzige Hofanlage an der Westseite der heutigen Goerdtstraße und gehörte zu den großen Hofanlagen in Röhe. Als Vierseithofanlage ist der Hof typisch für die Region um Aachen. Ausweislich der Bausubstanz gehen wesentliche Teile der Anlage auf das 18. Jh. zurück, mit stilistischen Ergänzungen im 19. Jh. Heinrich Josef Lersch baute um diese Zeit das straßenwärts gelegenen Gebäude zu einem großen Wohnhaus um, das ursprüngliche zum Garten hin gelegene Wohnhaus wurde zur Scheune umgebaut. Im Kern dürfte die Hofanlage jedoch weit älter sein. Wahrscheinlich reicht ihre Entstehung mindestens bis in das 17. Jh. zurück. Als Baumaterial ist Bruchstein verwendet worden, wie er auch in Röhe bis in das 19. Jh. hinein gebrochen wurde. Die mit verwendeten Ziegelsteine wurden ebenfalls vor Ort hergestellt: Der hierfür gut geeignete Lehmboden wurde in Feldbrandöfen zu Ziegelsteine gebrannt. Die Gebäude gruppieren sich an drei Seiten um einen großzügig angelegten Innenhof, während die Nordseite von einer Mauer abgeschlossen wird. Das Wohnhaus ist an der östlich der Hofanlage vorbeiführenden Straße errichtet, der historischen Hauptstraße der kleinen Ortslage. Es handelt sich bei dem Wohnhaus um einen großen zweigeschossigen Baukörper mit rechteckigen Grundriss. Nach erheblichen Kriegsschäden aus 1944/45 wurden die beiden Giebel im Dachbereich nicht wieder aufgemauert. Das bis dahin vorhandene Satteldach wurde durch ein allseitig abgewalmtes Dach ersetzt. Die Hofeinfahrt ist im nördlichen Bereich des Wohnhauses angeordnet; durch sie wird auch der im Hof eingerichtete Hauseingang erreicht. Die straßenseitige Fassade des Wohnhauses ist in fünf Achsen gegliedert: links sind vier Fensterachsen regelmäßig angeordnet, während rechts die Toreinfahrteingebracht ist , über der es im Obergeschoss ein Fenster gibt. Die Fenster schließen mit segmentbogigen Blausteingewände mit Keilsteinen. Das Tor, das die Einfahrt verschließt, ist hinter der Verbrettung, eine beeindruckende Eichenholzkonstruktion aus einer Stellmacherwerkstatt. Das Kellergeschoss ist relativ hoch und tritt außen als hohe Sockelzone mit Quaderputz in Erscheinung. An der hofseitigen Fassade gibt es nur kleine, unregelmäßig angeordnete Fensteröffnungen in rechteckiger Form. Ihre Lage und ihre Größe dürften ursprünglich sein. So hat das südliche Obergeschossfenster eine orttypische Natursteineinfassung. Die Eingangstür ist auch in Naturstein eingefasst. Der Sturz hat eine Bogenform und ist mit einer Palmette verziert. Diese zeigt eine Jakobsmuschel. Im Innern des historischen Wohngebäudes sind die schweren Deckenbalken, die von Außenwand zu Außenwand über neun Meter lang sind, erhalten.
Unter dem Wohnhaus (nicht unter der Tordurchfahrt) gibt es einen großen Gewölbekeller. Der Keller wird in seiner gesamten Breite von einem Tonnengewölbe aus Feldbrandziegelsteinen überdeckt. Die Seitenwände sind aus Bruchstein errichtet. Der Zugang zum Keller befindet sich seitlich neben der Tordruchfahrt. Bis 1957 stand in dem Keller ein großer gemauerter Backofen. Die Größe des Kellers, sowie der breite Kellerzugang deuten auf eine Brauereinutzung hin, wie es auch mündlich überliefert ist.
An der Südseite der Hofanlage schließt sich direkt an das Wohnhaus der Stalltrakt an. Hier ist noch viel historische Substanz erhalten. Zunächst gibt es einen kurzen Trakt, der durch eine Brandmauer und einen Fassadenvorsprung von den weiteren Stallbauten getrennt ist. Die Fenster- und Türöffnungen sind aus Backstein mit Segmentbögen gemauert. Das Gebäude wurde ursprünglich als Pferdestall genutzt, wobei im Obergeschoß der Hafer gelagert wurde.
Es schließt sich ein 20 Meter langer, zweigeschossiger Stalltrakt an. Die Decken und der Dachstuhl sind kriegsbedingt nach 1948 erneuert worden. Die Tür- und Fensteröffnungen sind aus Backstein errichtet mit Segmentbögen.
Der westlich angeordnete Scheunentrakt verfügt über ein großes Ständerwerk. Hofwärts hat die Scheune links eine große korbbogenartige Toreinfahrt mit Holztor. An der rechten Seite ermöglichen zwei gegenüberliegende Tore die Durchfahrt zum hinter dem Hof liegenden Garten- und Wiesengelände. Ziegelsteinbogen und Fensterstürze aus Eichenbalken zeugen von einer früheren Nutzung des Gebäudes als Wohnhaus. Heinrich Josef Lersch baute das straßenwärts gelegene (Brauerei-)Gebäude um 1860 zu dem Wohnhaus um, und nutzte das »alte« Wohnhaus nach Umbauarbeiten als Scheune für die Lagerung der Getreideernten.
Neben dem noch erkennbaren ehemaligen Hauseingang befindet sich ein ca. 12 Meter tiefer Brunnen. Dieser hat einen Durchmesser von 1,50 Metern. Der Schacht ist aus Ziegelsteine gemauert. Im Grundwasserbereich führt ein Stollen in südwestlicher Richtung, ins wasserreiche Kalksteinvorkommen. Weiter führt der Stollen zu dem Brunnen, der sich im Hof Goerdtstraße 12 und 14 befindet. In der Mitte des Innenhofes war eine große Dunglagerstätte eingerichtet, dreiseitig im Erdreich mit einer Ziegelsteinmauer eingefasst, mit östlich gelegener abgeschrägten Einfahrt. Das Stalldunglager konnte mit Fuhrwerken umrundet werden.
Die Unterschutzstellung der denkmalwürdigen Hofanlage liegt darin begründet, dass sie bedeutend für die Geschichte der Menschen, ihrer Siedlungen und die Entwicklung der Arbeits- und Produktionsverhältnisse ist. Für ihre Erhaltung und Nutzung liegen wissenschaftliche, insbesondere baugeschichtliche und ortsgeschichtliche Gründe vor. Mit seiner regionaltypischen Erscheinung als Vierseithof in Bruchsteinbauweise ist er charakteristisch für die Region. Darüber hinaus prägt er das Ortsbild von Röhe in typischer Weise. Die Bauweise und Baugeschichte von Goerdtstraße 17 sind ein wichtiges Dokument der baulichen Entwicklung im Aachener Land, dessen Bautraditionen in einem direkten Zusammenhang mit dem westlich anschließenden Maasland stehen.. Die recht gute Erhaltung trägt ebenfalls zum Denkmalwert des Objektes bei. Darüber hinaus unterrichtet die Hofanlage anschaulich von den wirtschaftlichen Produktionsverhältnissen einer älteren Zeit.[1]

Auf Grund der Unmöglichkeit, bauliche Veränderungen an der Hofanlage zum Anschluss an die heutige weltmarktgeprägte Landwirtschaft, ausführen zu können, wurde 2008 die landwirtschaftliche Nutzung eingestellt. Seit 2009 befindet sich die Hofanlage im Privatbesitz der Familie Achim Thelen und wird seitdem in enger Abstimmung mit der Denkmalbehörde der Stadt Eschweiler in erheblichem Umfang restauriert und in eine Mehrfamilienwohnanlage umgebaut.

Erwähnen möchte ich noch zur Goerdtstraße, dass sie die historische Hauptstraße Röhes ist. Ihre ursprüngliche Befestigung bestand aus kleinförmiges Blausteinkopfpflaster mit beidseitigen Regenwasserrinnen. Im Rahmen des Kanalbaues wurde die Straße 1987 zu einer verkehrsberuhigten Spielstraße umgebaut, wobei teilweise das historische Pflaster wieder Verwendung fand.

Im »Boten an der Inde« vom 14.8.1943, »Der Hof Kaldenbach in Röhe« heißt es: »Nicht zu verwechseln mit dem Bocks-Hof, später Berrensteins-Hof genannt.« Dieser Hof befand sich am Standort des heutigen Nickelstiftes, Nickelstraße 71, dass Helene Nickel anstelle des Hofes errichten ließ.

Quelle:

[1] Schreiben der Denkmalbehörde der Stadt Eschweiler, Herr Jammermann, vom 17.3.2004 zur Unterschutzstellung des Baudenkmals Goerdtstraße 17.

Eschweiler im Mai 2009
Heinrich-Josef Esser, Erfstraße 61, Eschweiler-Röhe
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