Ortsgeschichte

Der evangelische Friedhof in Eschweiler-Röhe

von Willi Krüger (eingestellt von Klaus Fehr, Leiter AK 2 – Stadtteilforschung Röhe)

In Röhe gibt es etliche Stellen, die uns bis zum heutigen Tag an die Vergangenheit erinnern. Eine davon liegt am Ortsrand im Nordwesten von Röhe: der evangelische Friedhof. Ein stiller Ort, umgeben von einer Mauer aus Feldbrandsteinen, die zum Teil mit Efeu bewachsen ist. Den Eingang bildet ein schlichtes Eisentor.

Dieser Friedhof ist einer der ältesten Friedhöfe Eschweilers. Seit ca. 300 Jahren beerdigen die Evangelischen Christen aus Röhe hier ihre Verstorbenen.

Wie entstand dieser Röher Friedhof?

Nach Simons Urkundenbuch zur rheinischen Kirchengeschichte waren 1588 in Röhe schon Protestanten ansässig. Sie wohnten vornehmlich im Norden des Ortes, heute nördlich der Autobahn A 4 Aachen - Köln.
Diese evangelische Gemeinschaft muss von großem Gemeinsinn und starker Aktivität geprägt gewesen sein, weil der Gedanke entstand, eine eigene Begräbnisstätte zu gründen. Bereits zu Beginn des 17. Jahrhunderts sollen hier die ersten Bestattungen stattgefunden haben.

Im ältesten vorhandenen Grab soll einer derer von Recklinghausen, am 4. Mai 1704 verstorben, bestattet sein. Das Grab trägt eine heute noch vorhandene Steinplatte – 2,12 m x 1,08 m groß und 30 cm dick. Diese Grabplatte ist mit dem Wappen derer von Recklinghausen versehen, und neben anderen Darstellungen sind ein Totenschädel und eine Sanduhr dargestellt, die an die Vergänglichkeit des Lebens erinnern sollen.
Auch das Grab der Helene Nickel befindet sich auf diesem Friedhof und ist noch erhalten. Durch ihre große wohltätige Stiftung wurden etliche soziale Einrichtungen ermöglicht: Waisenhaus in Eschweiler, Kinderverwahranstalt, Nähschule und Krankenpflegestelle in Röhe.

Dieser Friedhof war wohl ursprünglich mit einer Hecke eingefriedigt. Am 29. Januar 1863 beantragten August Krüger und Johann Bünten im Namen der evangelischen Bürger, den Friedhof mit einer Mauer zu umgeben, da die ausgelebte und durchlöcherte Hecke ihren Zweck nicht mehr erfüllte. Die Röher Protestanten hatten zu diesem Vorhaben bereits 242 Taler zusammengetragen; der Kostenvoranschlag betrug 230 Taler. Die neue Einfriedung wurde erstellt.

Infolge der zunehmenden Industrialisierung im Indetal wuchs die Zahl der Bewohner in Röhe, auch die der Protestanten. Der Friedhof wurde stärker genutzt, und die Tatsache, dass manche Familiengräber auf 50 Jahre bzw. vereinzelt auf 100 Jahre gekauft wurden, hatte zur Folge, dass der Platz für Gräber knapp wurde. Am 28. Februar 1912 beschloss das Presbyterium der Gemeinde Eschweiler, den Friedhof in Röhe zu erweitern. Ein Nachbargrundstück, 3 ar 53 qm groß, wurde zu diesem Zweck von August Krüger jun. gestiftet. Als Gegenleistung erhielt er vier Grabstätten kostenlos für 50 Jahre. Dieses ist den Unterlagen der Gemeinde zu entnehmen. Seither verfügt der Friedhof über genügend Grabstätten, und jeder, der hier beerdigt werden möchte, kann hier seine letzte Ruhestätte finden.

Viele Stürme sind über diesen kleinen Friedhof hinweggegangen. Franzosenzeit, zwei Weltkriege und die rasante industrielle Entwicklung des 20. Jahrhunderts hat er überstanden und ist immer noch ein Ort der Ruhe und des Friedens geblieben.

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