Eine Erfolgsgeschichte zur Wiederentdeckung der Vergangenheit
Von Simon Küpper
Der Geschichtsverein in Eschweiler blickt auf 25 Jahre seit der Neugründung 1974 zurück. Aber seine Wurzeln reichen tiefer. 1920 wurde nach mehreren vergeblichen Versuchen seit 1914 der erste Eschweiler Geschichtsverein gegründet. Er nannte sich "Geschichtsverein für Eschweiler und Umgegend". Als acht Jahre später 1928 im Bergvogteihaus an der damaligen Wollenweberstraße das Eschweiler Heimatmuseum eröffnet wurde, entwickelte sich dieser Geschichtsverein immer mehr zum Museumsverein. Das Heimatmuseum mit seinen wertvollen Exponaten und Ausstellungsräumen ging leider in den Kriegswirren und der Besetzung durch amerikanische Truppen im Herbst 1944 unter. Die meisten Ausstellungsstücke wurden geplündert, landeten auf der Straße oder in diversen privaten Händen.
Es kam in den sechziger Jahren zu einer kurzfristigen Wiederbelebung des Heimatmuseums in der Dürener Straße, initiiert durch Stadtdirektor Bernhard Sperlich. Bis zur Neugründung des Eschweiler Geschichtsvereins dauerte es viele Jahre. Es gab zweifellos auch nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges heimatgeschichtlich interessierte Bürger. Die Volkshochschule bot ihnen eine Arbeitsgemeinschaft in Form einer lockeren Gesprächsrunde an. Unter der Leitung von Karl-Heinz Täpper trafen sich Heimatfreunde zum Gedankenaustausch und zum Pläne-Schmieden.
Ziel war, das untergegangene Heimatmuseum wieder aufleben zu lassen. Auch in der Lehrerschaft gab es bemerkenswerte Initiativen: Rektor Karl Wirtz, Schulleiter an der Schule Glocke, gab seit 1947 mit Zeno Prickarz heimatkundliche Arbeitsbogen für Volksschulen heraus. Sie waren speziellen heimatgeschichtlichen Interessen gewidmet, so "Entdeckung der Steinkohlen auf dem Kohlberg im Eschweiler Gemeindewald" (Ausgabe Mai 1949) oder "Aus der Geschichte unserer heimischen Eisenbahn" (Ausgabe Sept./Okt. 1950).
Fast 30 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurde die Wiederbegründung eines Eschweiler Geschichtsvereins konkret. 31 interessierte Bürger und Bürgerinnen trafen sich am 14. März 1974 zur "Vorbesprechung zwecks Gründung eines Eschweiler Geschichtsvereins". Eingeladen hatte der damalige Leiter der Volkshochschule Karl-Gerd Kemman. Es wurde eine Vierergruppe gewählt, die durch Sondierungsgespräche mit benachbarten Geschichtsvereinen die Gründung vorbereiten sollte. Bernhard Sperlich, Ferdinand Bongart, Hanns Ortmanns und Simon Küpper waren die "Gründerväter" des neuen Geschichtsvereins.
Am 29. April 1974 fand die Gründungsversammlung im Hotel St. Peter in der Schnellengasse statt. Damals trugen sich 63 Damen und Herren in die Gründerliste ein.
In der Satzung stimmte man in vier großen Zielen überein, "die Geschichte unserer Stadt zu erforschen und dazu Vorträge und Führungen zu veranstalten und Veröffentlichungen in zwangloser Reihenfolge herauszugeben, ...sich für die Erhaltung und Pflege des anerkannten heimatlichen Brauchtums und historischer Bauten einzusetzen, Vorträge über wichtige allgemein geschichtliche Themen und Besichtigungsfahrten zu überörtlichen historischen Bauwerken und Museen zu veranstalten." Ausdrücklich sollten die Bemühungen des alten Geschichtsvereins fortgesetzt werden. Zum Vorsitzenden des neuen Vereins wurde Bernhard Sperlich, Stadtdirektor i.R., zu seinen Stellvertretern Hanns Ortmanns und Simon Küpper gewählt.
Schon rasch entwickelte sich ein reges Vereinsleben mit Besichtigungen und Vorträgen. Erstes Besichtigungsziel war am 1. Juni 1974 Schloß Merode anläßlich der 800-Jahr-Feier. Es folgten im Gründungsjahr die Zitadelle Jülich, Maastricht, der Aachener Dom und Besichtigungsfahrten zu Eschweiler Stadtteilen und Baudenkmälern. Den ersten Vortrag hielt der Aachener Stadtkonservator und Dombaumeister Dr. Leo Hugot zum Thema "Vorn römischen Tempel zum karolingischen Altar" am 27. Januar 1975. In den folgenden Jahren entwickelte sich ein monatliches Besichtigungs- und Vortragsprogramm mit einem vielfältigen Angebot vor allem zu Zielen und Themen unserer rheinischen Heimat. Besonders Dr. Heinz Renn, Jülich, Dr. Leo Hugot und Museumsdircktor Dr. Grimme, Aachen, sorgten mit Vorträgen und Führungen für ein qualitativ hochwertiges Angebot. Über 40 Veranstaltungen in den ersten vier Jahren sind ein Beweis für die rege Aktivität im jungen Verein.
Der Eschweiler Geschichtsverein bereicherte
das kulturelle Angebot damit für alle interessierten Bürger der
Stadt. Bei den Vorträgen des Winterhalbjahres bewährte sich bald
die Zusammenarbeit mit der Volkshochschule der Stadt Eschweiler. Die Vorträge
fanden in den ersten 15 Jahren im Vortragssaal des Alten Rathauses statt.
Die Anziehungskraft des Vereins zeigt sich besonders in dem kontinuierlichen
Anstieg der Mitgliederzahlen. Waren es beim Start 63, so stieg die Mitgliederzahl
nach einem Jahr bereits auf 155, bei der dritten Jahreshauptversammlung
waren es bereits 206. Im Jubiläumsjahr 1999 beweist die Zahl von 906
Mitgliedern die Attraktivität des Eschweiler Geschichtsvereins.